Um vernünftiger zu essen: Auf den Körper hören lernen

FUTURE.

Man muss sich nicht wie die eben verlobte Lady Diana Spencer in der neuen Staffel von «The Crown» unter Ess-Störungen leiden, um sich ungünstig zu ernähren: Seit der Kindheit antrainierte Gewohnheiten und die fragwürdigen Tricks der Lebensmittelindustrie haben bei vielen von uns die Ernährung aus der Balance gebracht. Wir essen zu bestimmten Zeiten, statt wenn unser Körper nach Betriebsstoffen oder Mineralien verlangt. Wir essen zu süss und zu fettig, weil uns das beruhigt, und wir essen zu viele Kohlenhydrate, weil unser Stoffwechsel auf sie konditioniert ist.

Ein Problem? Ja, wie man an den Statistiken der Gesundheitsämter ablesen kann. Besonders in armen Ländern grassiert die fehlerhafte Ernährung mit leeren Kalorien aus Stärke von billigem Brot und Zucker aus Süssgetränken, die mit Maisglukosesirup gesüsst wurden. Zahlreiche Wissenschafter vertreten die These, dass Stärke wie Zucker auf unseren Stoffwechsel wie Drogen wirken und ihn abhängig machen. Leute, die auf schnell verfügbaren Zucker konditioniert sind, wenn ihnen das Stück Schoggi nach dem Essen fehlt erleben ein Craving wie jenes eines Rauchers nach Nikotin. Die moderne Ernährung hat überdies dafür gesorgt, dass wir in sehr kurzer Zeit grosse Mengen von Kalorien aufnehmen können, ohne dass uns der Magen meldet, er sei satt. Wer mit seinem Körper gut verbunden ist und auf seine Intuition hört, wird solchen Momenten weniger ausgesetzt sein. Aber es ist ganz klar: Dieser Verbundenheit geht ein Lernprozess voraus.

Für das intuitive Essen empfehlen sich folgende Punkte zur Beachtung:

  • Nur essen, wenn man wirklich hungrig ist – und nicht nur, weil grad alle in den Mittag gehen

  • Keine Verbote erlassen – aber dafür bewusster essen. Dann wird es auch weniger

  • Auf den Körper hören: Wer achtsam geniesst, spürt sein Sättigungsgefühl. Oft essen wir zu schnell, als dass der Magen dem Hirn rechtzeitig melden könnte, dass er genug hat

  • Systematisch Bewegung in den Alltag bringen, um allenfalls zu viel aufgenommene Kalorien wieder los zu werden – aber keine Illusionen hegen: Man kann einer falschen Ernährung nicht davon rennen

  • Alte Gewohnheiten durch tägliches mentales Training überwinden

  • Starken Gelüsten darf man auch mal nachgeben – aber es sollte sich halt im Rahmen eines achtsamen Genusses halten. Salzige Nüsse, ein Happen Schoggi oder ein Butterbrot gehen in Ordnung, wenn man die Lust danach intensiv empfindet und sich für den Genuss ohne zeitlichen und psychischen Stress nachgeben kann. Es ist aber nicht so, dass man solche Dinge unbeschränkt zu sich nehmen kann – das wird Folgen auf der Waage zeitigen.

  • Wer sich an diese Punkte hält, sollte Heisshungerattacken vermeiden und wird sein Wohlfühlgewicht ganz ohne Diät halten können. Low-Carb, Keto und wie sie alle heissen: Ein Ding der Vergangenheit! Für alle, die wieder lernen, genau auf ihren Bauch zu hören. Wer es schafft, hat schon viel für die Nachhaltigkeit seines Lebensstils getan. Viel Glück!