Superfood, aber regional: Das sind die heissen Tipps

FOOD.

In den sogenannten Superfoods von Avocado über Chia bis zur Gojibeere steckt viel Gutes für unseren Körper und unseren Kopf. Zum Glück müssen wir gesunde Lebensmittel jedoch in aller Regel gar nicht um den halben Globus schicken: Sie gehören teils schon seit Jahrhunderten zum Ernährungsplan breiter Bevölkerungsschichten. Oder sie gedeihen ganz gut in unseren Breiten und tragen zum Einkommen innovativer Bäuerinnen und Bauern bei.

Superfood aus der Schweiz

Das ursprünglichste Superfood unserer Breiten ist Sauerkraut. Weisst du, dass es in jedem Supermarkt in Bio-Qualität und aus regionaler Produktion erhältlich ist? Bei Sauerkraut handelt es sich um Kabis, der gehobelt und gesalzen wird, worauf sich eine Milchsäure-Fermentation vollzieht. Der Kabis ist ein zäher, widerstandsfähiger Kerl: Tag und Nacht an der frischen Luft, wächst sein Kopf aus dicht gepackten Blättern heran und holt sich das beste aus dem Boden heraus. Mit der Fermentation machen wir uns die wertvollen Inhaltsstoffe des Kabis vom Vitamin C bis zum Ballaststoff zugänglich. Der Saft des Sauerkrauts mit seiner Milchsäure hilft unserem Mikrobiom – den Abermilliarden hilfreichen Bakterien, die unseren Darm besiedeln und uns sowohl beim Verdauen wie beim Denken helfen – so richtig auf die Sprünge. Deshalb wird Sauerkraut traditionellerweise gern zu fettigen Speisen kombiniert. Aber du kannst es auch einfach so geniessen, ungekocht als frisch schmeckenden Salat mit fein gehobelten Apfelstücklein und Datteln zum Beispiel. Im Netz gibt’s jede Menge Rezepte. Und, ganz ehrlich: Der Begriff Superfood ist eine Marketingprägung, um Produkte zu verkaufen, die in unserer Ernährung gar nicht zwingend nötig sind. Auf gutem Boden angebaut, frisch eingekauft und liebevoll zubereitet wird fast jedes Essen zum Superfood.

Das sind weitere regionale Superfoods, die wir dir wärmstens empfehlen und deren Produktion und Transport viel weniger Energie benötigen:

Brennessel

Wenn Saison ist, kannst du aus der Brennessel Pesto, Tee oder Smoothies machen; sie eignet sich sogar für Salate. Hoher Eisengehalt, ausserdem Kalium, Kalzium, Kieselsäure, Vitamine A, E, C. Man erntet sie an geschützten Orten, wo keine Hunde oder Füchse verkehren. Natürlich sollte man Handschuhe verwenden. Für Salat die frischen, jungen Blätter für 5 Minuten in ein Tuch einwickeln und in warmes Wasser legen. Das nimmt den «glasigen» Haaren die Fähigkeit, zu brennen.

Sanddorn

Ein ganz tolles Produkt aus den südlicheren Regionen des Landes. Kommt als Saft, Sirup oder Fruchtmark zu uns, zum Beispiel von der Familie Hartmann in der Bündner Ortschaft Trans. Verwendet man kombiniert mit cremigen Milchprodukten oder auch zum Marinieren von Gemüse oder Fleisch und anschliessend für herb-würzige Saucen zusammen mit Birnendicksaft. Enthält fast alle wichtigen Vitamine und viele Radikalenfänger (Flavonoide) gegen die Alterung.

Rande

Der Rande schmeckt man schon an, dass sie gesund ist: Der erdige Geschmack verrät, dass sie sich das Beste aus dem Boden holt, um ihre überirdischen Pflanzenteile erfolgreich zu ernähren. Die Rande ist fast ganzjährig erhältlich und hilft uns mit vielen Vitaminen und wiederum Flavonoiden, die über die Darmwand in den Körper gelangen, wo sie oxidierende Stoffe binden und unschädlich machen können. Vitamin A, B und C sind ebenfalls reichlich enthalten. Rezepte gibt’s jede Menge im Netz – beim Improvisieren immer dran denken, die Rande mit etwas frischem oder scharfem zu kombinieren. Also Zitrone, feiner Apfelessig oder Meerrettich. Yum!

Nicht ganz regional, aber wirklich toll: Maulbeere

Kennt kaum jemand, findet man aber im Reformhaus und an Ständen auf Wochenmärkten: Die getrocknete Maulbeere. Die getrocknete Frucht des Maulbeerbaums hat einen feinen Honiggeschmack und liefert jede Menge Energie. Wie es heisst, haben sich die römischen Legionäre auf ihren endlosen Märschen durch das Riesenreich ebenfalls mit Maulbeeren gestärkt. Deshalb hat der Baum sich wohl auch überall dort verbreitet, wo Rom einst Kolonialherrin war. Sie werden allerdings bei uns wegen des grossen Aufwandes kaum mehr geerntet. Maulbeeren enthalten viel Vitamin C, blutdruckregulierendes Kalium, erkältungsbekämpfendes Zink und Resveratrol, dem Radikalenfänger, den wir auch aus dem Rotwein kennen (vor allem jenem aus dem Bordeaux-Gebiet). Sie sind ein guter Snack und super geeignet für das Süssen von Smoothies. Beim Einkauf einfach darauf achten, dass die Maulbeeren möglichst wenig weit von dir entfernt gediehen sind; die Türkei ist immerhin ein Herkunftsland, das nicht in Übersee liegt.