Nachhaltiger leben: Essbar ist mehr, als man glaubt

FOOD.

JUL

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Wer auf eine bodenbewusste, also etwas mehr als «umweltfreundliche» Ernährung achten will, kann als ersten Schritt sein Mindset anpassen: An unseren Einkäufen ist beispielsweise mehr dran, als wir glauben – und die Natur hat uns direkt vor der Haustür so manches zu bieten.
Hier ein paar Beispiele.

Die Avocado
Einst als Superfood in den Himmel gelobt, dann wegen Umweltsünden verteufelt. Wir finden: Es gibt keine absolute Wahrheit, und die Menge macht das Gift bzw. das Problem. Avocado ist etwas Feines und macht uns Freude, wir sollten wegen unseres Umweltbewusstseins nicht zu Aposteln der Säuerlichkeit werden. Seien wir lieber cool und verspeisen wir nicht nur das fettige Fruchtfleisch der Avocado, sondern auch den Kern! Wir lassen ihn ein paar Tage trocknen, entfernen die harte Haut und raspeln den Kern in unsere Müesli und Smoothies. Wie die ganze Frucht enthält auch der Kern Vitamine und Flavonoide, das sind die gesuchten Radikalenfänger, welche dem Körper gegen die Oxidation kämpfen helfen.

Blüten und Gartenpflanzen
Wer über einen Balkon oder gar einen Garten verfügt, kann neben den bekannten Gemüsesorten auch Blumen ziehen und seine Ernährung damit aufwerten. Viele Balkonblumen tun nämlich nicht nur dem Auge wohl, sondern haben auch unserem Körper viel zu bieten. Ringelblumen gedeihen schon im März, sind schnellwüchsig und anspruchslos und zählen zu den beliebtesten Blumen auf den Tellern vieler SpitzenköchInnen. Zeitig angesät wird auch Borretsch, dessen Blüten leicht nach Gurken schmecken und einen Salat massiv aufwerten. Duftpelargonien, Nelken und Hibiskus? Alles Blumen, die zu so mancher Speise einen herben, «grünen» Geschmacks-Akzent setzen können. Logisch, dass wir unsere Blumen nach den Regeln des biologischen Landbaus ziehen. Probiert es aus, es macht Freude! Sogar ohne Garten kann man sich an Blumen delektieren: Gedeihen sie auf einer haustierfreien Wiese, sind schon Gänseblümchen ein optischer Hochgenuss, der auch geschmacklich viel bringt.

Salat aus dem Wald
Sonntags per Velo ins Naherholungsgebiet fahren, um im Wald und am Waldrand einen frischen Salat zu pflücken? Nun gut, wer so weit ist, hat das nächste Nachhaltigkeitslevel freigeschaltet. Wer damit anfangen will, muss vorbereitet sein und folgende Pflanzen kennen sowie darüber Bescheid wissen, wie man sie vor dem Verzehr gründlich reinigt: Giersch, Brennessel mit ihren Samen im Herbst, natürlich der notorische Bärlauch im Februar, Gundelrebe (als Unkraut verrufen) und Sauerklee sowie Löwenzahn sind weitere Pflanzen, die man roh verzehren kann und die unserem Innenleben gut tun. Die Reinigung ist übrigens wichtig, weil in unseren Breiten leider der Fuchsbandwurm endemisch vorkommt.

Knochen und Off-Cuts
Wer Fleisch auf seinem Speisezettel hat, kann sich bei versierten Metzgern mit selten verkauften Stücken eindecken und damit experimentieren. Kalbs- und Schweinsfüsse dienen zum Binden von Saucen ohne jegliche industrielle Gelatine, noch etwas kräftiger eingekocht, kann man damit Tolle Hausmacher-Terrinen herstellen, in denen natürlich die selbst gesammelten Kräuter wieder zum Einsatz kommen. Haxen und Backen vom Rind kann man durch langes Schmoren weich kochen und verwandelt sie über sechs Stunden hinweg in geschmacksintensive, eiweissreiche und fettarme Delikatessen. Und bei Steaks schneidet man das Fett nicht weg, sondern verwendet es zum Anbraten von Gemüse zusammen mit Butter oder Öl.

Buch aus Zürich zum Thema: Essbare Stadt – Wildwuchs auf dem Teller von Guerilla-Gärtner Maurice Maggi. CHF 29.90, Buchhaus Lüthy Balmer Stocker.