Köche zur Ernte – und jetzt zurück in die Küche

FOOD.

Für die Ernte von Schweizer Feldfrüchten und Obst werden in aller Regel ausländische Arbeitskräfte in die Schweiz geholt. Diese sogenannten Saisonniers stammen mehrheitlich aus dem Osten Europas und aus Portugal und konnten während des Lockdowns im März, April und Mai nicht einreisen.
Deshalb griffen zahlreiche Landwirte auf Kräfte zurück, die wegen Schliessungen der Gastronomie nicht arbeiten konnten – und plötzlich fanden sich viele Köche und Service-Fachpersonen bei der Ernte auf dem Feld wieder! Verschiedenste Plattformen wurden von den Landwirten umgenutzt, um Personal für die Ernte zu suchen, das Spektrum reichte von Tutti.ch bis zu Coople.com.

«Es gibt genügend Leute in der Schweiz, man muss sie nur umpolen», liess sich dazu ein Bauer aus dem Thurgau im vergangenen März in der Luzerner Zeitung vernehmen (das Wortspiel mit einem osteuropäischen Land war vermutlich nicht berücksichtigt) – und er behielt recht.

Während die Frage der Erntekräfte spätestens seit dem 15. Juni, der Öffnung der Schweiz für Reisende und Arbeitskräfte aus dem Schengen-Raum, gelöst ist, betreffen die Sorgen der Bauern derzeit eher den Absatz der geernteten Produktion. Detailhandel und Hofläden haben sich wohl gut erholt, aber die Gastronomie hat noch nicht ganz zur Form vergangener Jahre zurück gefunden – kein Wunder, sind doch die Plätze in vielen Betrieben wegen der Abstandsregeln eingeschränkt. Tiziano Marinello, der mit seinem Unternehmen in der Region Zürich einen substanziellen Teil der Gastrobetriebe mit landwirtschaftlichen Produkten versorgt, ist diesbezüglich allerdings guter Dinge: «In Zürich leistet die Gastronomie bereits ungefähr 80% im Vergleich zur Auslastung früherer Jahre.» Es habe sich gezeigt, dass Betriebe, welche ihre Hausaufgaben gemacht hätten, den Lockdown gut überstehen konnten. «Vielleicht werden einzelne Betriebe schliessen, aber das war in vielen Fällen wohl ohnehin nur eine Frage der Zeit», sagt der engagierte Gemüse-Experte, dessen FARM-Netzwerk beispielhaft ist für einen nachhaltigen Umgang mit den Grundlagen unserer Ernährung.

Wer eigene Erfahrungen als Erntehelfer sammeln möchte, hat also derzeit und wohl auch in Zukunft wieder genügsame Konkurrenz aus dem Ausland und nimmt am besten direkt mit einem Landwirt oder einer Landwirtin Kontakt auf, um sich für die nächste Saison zu bewerben.