Die Wissenschaft macht Darmbakterien zum Geschäft

HEALTH.

Die medizinische Wissenschaft ist ständig auf der Suche nach neuen Forschungsfeldern. Diese werden zuerst gründlich erkundet und die Ergebnisse anschliessend von den finanzierenden Firmen kommerzialisiert. Der menschliche Darm ist ein relativ neues Gebiet, auf dem vielversprechende Forschung betrieben wird – denn die nützlichen Bakterien, die unseren Darm besiedeln, haben so einiges drauf.

Erst kürzlich stand im Zürcher Tages-Anzeiger zu lesen, dass die Schweizer Firma Lonza in Basel Bioreaktoren baue, in welchen nützliche Darmbakterien auf industriellem Niveau gezüchtet werden. Lonza hat dafür gemeinsam mit der dänischen Firma Christian Hansen ein Joint Venture namens Bacthera gegründet. Geleitet wird es vom Schweizer Lukas Schüpbach. «Bakterien dürften bei vielen Krankheiten eingesetzt werden, entweder als alleinige Therapie oder in Kombination mit anderen Medikamenten», liess er sich in dem Artikel über das Joint Venture vernehmen. Wir von Soil to Soul wissen natürlich ebenfalls, dass das Mikrobiom in unserem Bauch zentral für unser Überleben ist. Es bringt uns allerdings immer wieder zum Staunen, wie viel die nützlichen Mikroben in jedermanns Verdauungssystem tatsächlich zu unserer Gesundheit beitragen – letztlich ist ein gesunder Darm mit einem intakten Mikrobiom offenbar fast gleichbedeutend mit einem funktionierenden Immunsystem. Namentlich gegen Entzündungskrankheiten sollen die spezialisierten Darmbakterien aus den Reaktoren von Bacthera in Zukunft eingesetzt werden; und das verspricht gigantische Geschäfte, denn auch Krebs hat in gewissen Fällen offenbar mit Entzündungen zu tun. Selbst bei Erkrankungen des Gehirns sollen Darmbakterien hilfreich sein können, weil in diesem Fall die intensiven Wechselwirkungen zwischen Darm und Hirn via unser Nervensystem beeinflusst werden können. Was gewinnen wir daraus für eine Erkenntnis? Nun, es ist sicher weise, sich frühzeitig um seinen Darm zu kümmern und dafür zu sorgen, dass Entzündungskrankheiten gar nicht erst entstehen. Eine vielseitige, naturnahe Ernährung mit viel Rohkost dürfte mit sehr hoher Sicherheit dazu beitragen, das eigene Mikrobiom und damit den ganzen Körper von Kopf bis Fuss vital zu erhalten. Und als Nebeneffekt ist auch das, was wir dem Körper via unsere Ausscheidungen wieder dem Boden zurückgeben, für die Natur viel besser verträglich. Wenn Lonza mit uns deswegen nichts verdient, brauchen wir gewiss nicht zu bejammern.