Interview mit Fabienne Vukotic

Interview

DEC

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1. Du hast unter anderem Biologie studiert - Bitte teil mit uns die 3 wichtigsten oder faszinierendsten Learnings aus diesem Studium.

Das ist schon eine ganze Weile her....deswegen beantworte eher auf einer Meta-Ebene:

  • je mehr man über die Komplexität der Natur lernt, desto mehr beeindruckt ist man, wie das alles funktionieren kann. Man wird ehrfürchtig, davor, wie unsere Erde als ganzer Organismus versucht, in Homeostase (im Gleichgewicht) zu bleiben, um komplexe Lebensformen zu erhalten
  • Auf den ersten Blick unscheinbare Lebewesen, wie Moose, Farne oder können eine unglaubliche Faszination auslösen, wenn man sich näher damit beschäftigt
  • Zusammen geht es einfacher. Ich habe früh im Studium gelernt, dass es Freude macht, und alles sehr viel einfacher macht, anderen zu helfen und sich mit anderen (auch aus oberen Semestern und anderen Studiengängen zu vernetzen)

2. Wie isst Zürich? Wie würdest du einen Zürcher Durchschnitts-Zmorge/Zmittag/Znacht beschreiben?

Haha, wir haben ja gerade ein Projekt am Laufen, das heisst "Was isst Zürich?" und dennoch fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Was heisst schon "Durchschnitt".. . ich nehme unsere Esskultur als sehr vielfältig und multi-kulti wahr. Es wäre einfacher, diese Frage für eine indische Stadt zu beantworten. Aber ja: Kafi-to-go und ein Gipfeli ist zumindest bei den Arbeitstätigen Leuten wohl doch noch immer sehr verbreitet.
Zu Mittag verpflegen sich viele in der Kantine - und da ist das Menü 1 wohl doch noch vorwiegend Fleisch mit Gemüse und Stärkebeilage. Zumindest in den städtischen Verpflegungsbetrieben wird künftig eine ausgewogene Ernährung gefördert.
Und Znacht? das ist wohl am schwierigsten! Die Zürcher Gastroszene bietet ja fast alles, was das Herz begehrt. Asiatisch ist wohl nach wie vor recht hoch im Kurs, ich denke auch in den heimischen Küchen. Aber das kann ich schlecht beurteilen.

3. Wenn du zaubern könntest: Was würdest du im Essverhalten der Menschheit ändern?

Dass sie sich mehr Zeit nehmen könnten. Gerade der Lockdown hat gezeigt, dass mehr Zeit fast automatisch auch ein nachhaltigeres Verhalten fördert. Schön wär, aber vor allem auch, wenn weniger weggeworfen und weniger Fleisch konsumiert würde – das sind die grössten Hebel.

4. Health: Dein ultimativer Geheimtipp in Sachen Gesundheit?

Auch hier: sich Zeit nehmen zum Kochen, mehrheitlich pflanzenbasiert essen. Das ist aber wohl kaum ein Geheimtipp :-) Den habe ich auch nicht. Ich esse grundsätzlich regional saisonal und glaube, dass das auch sehr gesund ist; diese Verbindung zu den Jahreszeiten und das frische Gemüse.

5. Nehmen wir an, du bist sehr krank und hast die Wahl - wie fällt diese aus?

Langsam gesund werden auf natürliche Weise oder schnell gesund werden mit Medikamenten.
Ganz klar: ersteres. Da bin ich insbesondere von der Ayurveda-Lehre geprägt und würde mich als erstes dorthin wenden. Ich bin überzeugt, dass wir uns "gesund essen" (oder eben auch "krank essen") können. Ich kann nicht verstehen, dass unser Essverhalten in der klassischen Medizin noch immer eine so untergeordnete Rolle spielt. Übrigens gilt das natürlich insbesondere auch präventiv!

6. Future: Was war deine letzte Umweltsünde?

Wohl nicht meine letzte, aber für mich wichtig: Ich bin 2018 für mein Studium sowohl nach Brasilien als auch nach Indien geflogen. Seither habe ich mich entschlossen, nicht mehr zu fliegen. Diesen Sommer habe ich mit etwas schlechtem Gewissen ab und zu das Auto dem Zug vorgezogen – aber ja, letztlich ist irgendwie alles relativ und kaum jemand ist zu 100% konsequent.

7. Bitte vervollständige den Satz: Du kannst etwas bewegen, wenn...

Du Gutes tust und davon sprichst.

8. Food: Deine Lieblingsspeise?

Pasta (gilt das?)

9. Dieses Gericht sollte man auf allen Speisekarten verbannen und zwar weil:

Ein Gericht zu verbannen, finde ich doof. Ich denke eher, dass man teilweise etwas kreativer bei den vegetarischen Optionen sein könnte – aber das passiert ja langsam auch. Ich finde ausserdem, dass man sich bei den Getränken mal von Coca Cola und Konsorten verabschieden könnte.

10. Diese Frage sollte endlich jemand in einem Interview stellen:

Haha, guter Zug! Vielleicht: Wo findest Du in diesen schwierigen Zeiten die Zuversicht und Hoffnung, dass es sich trotz Allem lohnt, sich für eine Veränderung einzusetzen?
Die Aussichten sind tatsächlich alles andere als rosig und können einem entmutigen. Es scheint zudem einfacher, sich den Untergang auszumalen als neue Utopien. Ich sehe da einen grossen Wert beispielsweise in Joanna Macy's Arbeit "The Work that Reconnects" und ihre Worte resonieren stark mit mir. Aber auch Denker, wie Charles Eisenstein inspirieren mich, weil sie schaffen, ein komplett neues Narrativ aufzuzeigen. Ich glaube, dass eine bessere Welt möglich ist und bin global mit grossartigen Menschen vernetzt, die ebenfalls diese Überzeugung haben und bereit sind, ihr Wissen, ihre Zeit und ihre Fähigkeiten für das Wohlergehen der Menschheit und Planeten zu schenken.